Auf einen Schnack mit Mr. Tribe – neuer Leiter des Sprachenzentrums

Das Sprachenzentrum unserer Hochschule ist zum ersten Mal beim Tag der offenen Tür am 22.04.2017 dabei und gibt interaktive Crash-Kurse in verschiedenen Sprachen (nähere Infos im Programm und vor Ort).
Das Team vom Hochschulblog hat dies zum Anlass genommen, den neuen Leiter des Sprachenzentrums Simon Tribe zu einem Interview einzuladen.

Mr Tribe Interview Sprachenzentrum Hochschule Stralsund

© Hochschule Stralsund / C. Eisfeld

Mr. Tribe, Sie haben gerade die Leitung des Sprachenzentrums übernommen – herzlichen Glückwunsch! Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Vielen Dank! Ich sehe meine Aufgabe momentan hauptsächlich darin Impulse zu setzen, wie unser Sprachenzentrum und Sprache an sich an der Hochschule präsentiert und wahrgenommen wird. In erster Linie soll das Sprachenzentrum präsent sein und wo Zentrum drauf steht, muss auch Zentrum drin sein. Wir verfügen immerhin über ein 13-köpfiges internationales Team, welches sehr viele Kompetenzen mitbringt, sowohl für die Studierenden, als auch für die Hochschule insgesamt. Daher lautet ein Teil unseres neuen Slogans ‚Ambition’ und in diesem Sinne gilt es herauszufinden, wie das Wissen, die Energie und die Leidenschaft für Sprache jedes einzelnen Teammitglieds gezielt eingesetzt werden kann. Kurz gesagt, geht es um Verzahnung und Dialog auf allen Ebenen der Hochschule. Gemeinsam können wir vieles erreichen.

Das Sprachenzentrum beteiligt sich erstmals aktiv mit Mini-Sprachkursen am Tag der offenen Tür.  Wer kann kommen und mitmachen, für wen sind diese Kurse?

Natürlich sind die Kurse vorwiegend für Besucher am Tag der offenen Tür gedacht, die sich für ein Studium bei uns interessieren. Hier können wir bei den Mini-Sprachkursen effektiv zeigen, wie wir Sprache im Unterricht dynamisch zum Leben erwecken. Aber im Grunde ist natürlich jeder, der einfach mal Lust hat, gerne auch Mitarbeiter der Hochschule, herzlich willkommen: the more the merrier (je mehr desto fröhlicher)!

An Hochschulen mit Schwerpunkt Technik und Wirtschaft werden Sprachen gerne hinten angestellt, obwohl ein internationales Profil die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich verbessert. Was muss sich ändern?

Das ist in der Tat ein interessantes und zugleich auch schwieriges Phänomen; besonders wenn man bedenkt, dass Sprache eine zentrale Rolle bei der Vermittlung von Technik und Wirtschaft spielt. Eine Sprache zu (er)lernen ist ja nicht nur eine rein sprachliche Angelegenheit, sondern heißt immer auch die Kultur der Sprache/des oder der Länder zu erlernen und das ist in jedem Fall eine Bereicherung. Auch die globalisierte Welt ist ein Thema: welches deutsche Unternehmen arbeitet denn nur noch und ausschließlich mit deutschen Mitarbeitern? Viele der Firmen sind im Ausland präsent, die Studierenden der HS gehen in mittlere und höhere Managementpositionen oder als Ingenieure auf einen internationalen Arbeitsmarkt – was ohne Sprachkenntnisse schwierig ist. Mal ehrlich, all diejenigen, die behaupten, Sprache sei nicht so wichtig, die möchte ich fragen: Wann haben Sie das letzte Mal in einer Fremdsprache (z.B. auf Englisch?) eine Vorlesung gehalten, eine Präsentation vorbereitet, ein Meeting geleitet oder ein Vorstellungsgespräch gehabt und sich hinterher gewünscht, dass Ihre Sprachkenntnisse schlechter wären?

Mr Tribe Interview Sprachenzentrum Hochschule Stralsund

Nach 25 Jahren Wachstum erlebt die HS Stralsund erneut eine Aufbruchsstimmung, derzeit passiert sehr viel an unserer Hochschule. Es ist eine schöne, spannende Zeit und Sprache muss und sollte einfach dabei sein.

Sie haben einen britischen und einen kanadischen Pass. Fühlen Sie sich eher als Brite oder als Kanadier?

Einfach ausgedrückt: Trotz meines britischen Passes bin ich eher Kanadier. Ich habe seit meinem 5.Lebensjahr dort gelebt und im Prinzip meine gesamte Schulzeit und Universitätsausbildung in Toronto in Kanada verbracht. Neben einigen Auslandsaufenthalten während meines Studiums wurde ich sicher auch durch meine beruflichen Erfahrungen in Kanada geprägt – Kanada ist und bleibt meine kulturelle und sprachliche Heimat.

Fühlen Sie sich auch ein bisschen Deutsch? Wie vereinbaren Sie Ihre doppelte Staatsbürgerschaft mit Ihrem langjährigen Aufenthalt in Deutschland?

Klar fühle ich mich auch mehr als ein bisschen deutsch. Nach etwa 18 Jahren ist Deutschland genau genommen mein zweites Zuhause. Wenn ich nach meiner Herkunft gefragt werde, bezeichne ich mich als ein in England geborener Kanadier, der lange in Deutschland gelebt hat. Ist eigentlich ganz einfach.

Was hat Sie nach Stralsund verschlagen, wie wurden Sie auf uns aufmerksam? Selbst in Deutschland ist unsere liebliche Hansestadt am Meer recht unbekannt…

Stralsund habe ich von Berlin aus, wo ich früher lebte, kennengelernt. Ich war hier schon als Besucher gewesen und kann mich noch gut an einen Spaziergang auf der Hafeninsel, bevor sie umgebaut wurde, erinnern. Ich habe damals einfach gedacht: diese Stadt wird von Grund auf erneuert, hier ist alles möglich – man braucht vielleicht nur ein wenig Zeit. Als die Arbeit an der Hochschule rief, habe ich nicht lange gezögert. Über 15 Jahre später ist nun die Hafeninsel nicht wieder zu erkennen und ich entdecke immer wieder Neues, Buntes und Aufregendes in der Stadt sowie im Umland. Sie hat etwas, diese kleine Stadt.

Mr Tribe Interview Sprachenzentrum Hochschule Stralsund

Stralsund: „Als die Arbeit an der Hochschule rief, habe ich nicht lange gezögert.“ / © Henning Falk

Deutsche Sprache, schwere Sprache – aber Sie beherrschen sie perfekt. Was war Ihr Zugang zur deutschen Sprache? Ein Studium? Kultureller Kontakt? Regelmäßiges Einschalten in den Tatort?

Danke! Mein erstes Wort Deutsch sprach ich mit 23 im Studium an der University of Toronto. Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt die deutsche Sprache zu lernen. Nach ein paar Jahren an der Uni reichte mein Deutsch zwar, um nette Aufsätze darüber zu schreiben, wie man die Umwelt schützen kann, aber während meiner ersten Soloreise nach Deutschland merkte ich schnell, dass ich damit für alltägliche Situationen ganz und gar nicht gewappnet war. Erst ein paar Studienprogramme später wie z.B. als Werkstudent in Hannover oder als Austauschstudent an der Humboldt Universität zu Berlin, fühlte ich mich einigermaßen sicher. Und meine spätere Frau hat mit mir besonders die Umlaute geübt, so habe ich ‚gemütliche Kühe im Frühling‘ rauf und runter gebetet.

Wie oft sprechen Sie außerhalb der Hochschule Ihre Muttersprache?

So oft wie möglich und zu Hause als Familie jeden Tag, zumindest im Wechsel mit Deutsch. Unsere Kinder wachsen zweisprachig auf und es ist einfach ein schönes Gefühl den Alltag auch mal auf Englisch bewältigen zu können.

Was vermissen Sie am meisten an Kanada?

Zum Einen die Weite – einfach die Möglichkeit zu haben sich ins Auto zu setzen und drei Tage lang Richtung Norden zu fahren und dabei noch im selben Land zu sein – das ist ein tolles Gefühl. In der Tat ist eine beliebte Freizeitaktivität in Kanada ‚just going for a little drive‘. Und sonst fehlt mir manchmal eine bestimmte unbeschwerte Art der Freundlichkeit, durch die man leicht ins Gespräch kommt – eben Small Talk.

Mr Tribe Interview Sprachenzentrum Hochschule Stralsund

Kanada: „Just going for a little drive.“

Und was ist für Sie „Typisch Deutsch“? Was würden Sie Ihren Verwandten aus Deutschland mitbringen?

Mit typisch deutsch verbinde ich z.B. ein warmes Mittagessen statt nur Sandwiches; dass fremdsprachige Filme synchronisiert werden; oder dass es sonst insgesamt sehr bürokratisch zu geht. Auch nach so vielen Jahren, die ich schon in Deutschland lebe, freut meine Familie in Kanada sich immer noch über die gute alte deutsche Schokolade als Mitbringsel, wenn ich in die alte Heimat fliege.

Unter uns: Wie oft rufen Sie heimlich Ihre kanadischen Freunde an und beschweren sich über die bloody Germans?

Zugegebenermaßen kommt das auch mal vor, aber wahrscheinlich in etwa so oft wie meine deutschen Freunde sich insgeheim über die bloody Canadians beklagen. Ganz im Ernst: klar gibt es Sachen, die mich stören, aber das perfekte Land und die perfekten Menschen habe ich bisher nirgendwo gefunden.

Haben Sie ein deutsches Lieblingswort?

Es gibt zwar schöne Wörter z.B. wie die ganzen Verniedlichungen (Frühling, Täschchen usw.), aber die langen Zusammensetzungen bleiben auf jeden Fall länger in Erinnerung: als ich in Deutschland heiratete, durfte ich wohl eine der längsten Phrasen der deutschen Sprache kennen lernen: Antrag auf Befreiung der Beschaffung eines Ehefähigkeitszeugnisses.

Für den Rest der Welt ist „Schmetterling“ scheinbar die schlimmste Bezeichnung für das zerbrechliche Geschöpf, zumindest phonetisch (im Gegensatz zu „Butterfly“ und „Papillon“). Bei welchem deutschen Wort schütteln Sie den Kopf?

Na ja, wenn man mich so fragt, finde ich den Begriff ‚Sättigungsbeilage‘ doch ein wenig über-praktisch.

Können Sie auch ein bisschen Platt?

Da muss ich passen, aber bei meinen Schwiegereltern ist das manchmal im Radio zu hören und da fällt mir immer die herzlich fröhliche Sprachmelodie auf.

Welchen Lifehack haben Sie für unsere Studierenden?

In Bezug auf Sprache würde ich jedem nahe legen, die Chance, die man jetzt hat an Sprachkursen an unserer Hochschule teilzunehmen, unbedingt zu nutzen. Man kann ja wirklich nie vorher wissen, wozu das später alles gut sein könnte! Selbst Studierende, die bereits während oder nach der Schulzeit einige Zeit im Ausland verbracht haben, können in den Sprachkursen an der Hochschule wirtschaftliche oder technische Fachsprache und (inter)kulturelle Kommunikation erlernen.

Mr Tribe Interview Sprachenzentrum Hochschule Stralsund

Und nicht zuletzt steht und fällt alles mit der eigenen Einstellung – man muss sich bewusst fürs Sprachenlernen entscheiden. Das erfordert nicht nur Teilnahme am Unterricht, sondern auch die generelle Bereitschaft und den Willen etwas zu lernen.

Herzlichen Dank für das Interview, Mr. Tribe!

My pleasure! (Sehr gerne!) Ich danke Ihnen.

+++

Das Sprachenzentrum der Hochschule Stralsund ist eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung, die die obligatorische und wahlobligatorische Fremdsprachenausbildung in allen Fakultäten durchführt. Das schließt die Ausbildung in Deutsch als Fremdsprache für internationale Studierende mit ein.

Das Büro des Sprachenzentrums findest du im Haus 4, Raum 125. Weitere Informationen erhältst du vor Ort oder auf der Website der Hochschule.

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