Schampus, scheinfrei, Schalentiere*: Ein Auslandssemester in Montpellier

Erasmus am Meer: Ein Auslandssemester an der top gerankten Montpellier Business School in Südfrankreich – dafür hat sich das extra halbe Jahr gelohnt!

von Stephan Koch

Für mich stand bei der Bewerbung für mein Master-Studium bereits fest, dass ich ein Semester im
Ausland verbringen möchte. Die Idee gestaltete sich im Master-Studiengang KMU („Management von kleinen und mittleren Unternehmen„) doch etwas komplizierter als angenommen, da leider keine Partnerprogramme existieren. Ich kann aber nur empfehlen, trotzdem zu versuchen, das zweite Semester im Ausland zu verbringen. Hilfreich sind die Partnerprogramme des BWL Bachelors.

Erasmus Montpellier Stephan Koch Hochschule Stralsund

Erasmus Aufenthalt in Montpellier © Stephan Koch

Die Montpellier Business School (MBS, früher Ecole Supérieure de Commerce, kurz Sup de Co)
ist eine der ältesten Business Schools in Frankreich (privat, gegründet 1897), aber auf einem
Campus-Neubau außerhalb der Innenstadt untergebracht. Für 2019 ist der Umzug in die
Innenstadt geplant, also warte lieber noch ein bisschen!
Die Hochschule ist in Frankreich nach HEC, ESSEC und EDHEC recht hoch angesehen. Das sagt meiner Meinung nach aber nichts über die Qualität der verschiedenen Kurse aus, deren Ansprüche und Niveaus stark schwanken. Ein Semester an der MBS hat einen gut verteilten Workload (ab Oktober), da auch schon früh Deadlines für Präsentationen liegen. Das hat den Vorteil, dass man bis zur Klausurphase schon viel gearbeitet und im Idealfall weniger zu lernen hat.

Das System ist sehr verschult. Viele Dozenten bieten aber auch einigen Freiraum zum
Diskutieren. Ich war als Master-Student für ein Master-Programm eingeteilt (logisch, nicht?), hatte
aber auch einige Kommilitonen im Kurs, die an ihrer Heimathochschule noch im Bachelor studiert
haben. Man kann die Kurse in Französisch oder Englisch belegen. Dadurch ist das Flair sehr
international.
Die interkulturelle Zusammenarbeitet wird erwartet und gefördert. Auch viele Dozenten haben
einen internationalen Hintergrund, was mir besonders gut gefallen hat (ein schöner Unterschied zu
Stralsund). Das Sprachniveau der Dozenten an der MBS ist aber Glücksache.

Erasmus Montpellier Stephan Koch Hochschule Stralsund

Erasmus Aufenthalt in Montpellier © Stephan Koch

Das Semester beginnt für die internationalen Studenten an der MBS mit einem obligatorischen
dreiwöchigen Französischkurs und weiteren Einführungsprogrammen. Diese erste Zeit eignet sich ohne weitere Vorlesungen also super zum Eingewöhnen und Reisen, da der Workload noch sehr gering ist. Es will ja auch viel Kultur genossen werden, was natürlich auch in der Vorlesungszeit geht.

Mein Zimmer bei einer französischen Familie am Innenstadtrand (hochschulnah) habe ich relativ
unkompliziert über Airbnb gefunden, erst einmal nur für einen Monat gebucht und später mündlich
bis Weihnachten verlängert. Für die Klausurphase im Januar bin ich zusammen mit einem
Kommilitonen in eine Ferienwohnung in die Innenstadt gezogen.

Montpellier ist eine Stadt mit sehr hohem Studierendenanteil, was sich auch stark von Stralsund
unterscheidet. Es ist zwar keine Weltkulturerbe-Stadt, hat in der Hinsicht aber auch viel zu bieten.
Das kulturelle Leben ist sehr reich und bietet etwas für jeden Geschmack: von Weinfesten und Delikatessen über Konzerte und Theater bis hin zu Kitesurfen, Wandern und nicht zuletzt das Nachtleben.
Das Alltagsleben ist mediterran wuselig und gemütlich gleichzeitig. Durch das warme Klima findet
das Leben meist draußen statt, was das Ambiente der Stadt ausmacht.
Ich möchte keine expliziten Freizeit-Empfehlungen geben, da das Angebot sehr vielfältig ist und
die Geschmäcker ja verschieden sind.

Erasmus Montpellier Stephan Koch Hochschule Stralsund

Erasmus Aufenthalt in Montpellier © Stephan Koch

Tipps (Anfängerfehler zum Vermeiden):
– Hol dir online einen Termin für dein Tram-Monatsticket.
– Hol dir keine Free-SIM (50 GB but no connection, mit gratis Roaming ab Mitte 2017…).
– Hol dir CAF (franz. Bafög für jeden) und verzweifle nicht an französischen Behörden.
– Sei nett zur Incoming Koordinatorin.
– Komm früh im „Winter“-Semester – bis Mitte Oktober ist noch Sommer und es gibt noch nicht so viel zu tun.

Es hat sich absolut gelohnt, sich an der Hochschule Stralsund etwas durchzuboxen, um sich
erfolgreich um ein Auslandssemester zu bewerben. Auch dass ich ein Semester zusätzlich zur
Regelstudienzeit des Masters studiert habe, sehe ich als Bereicherung an.
Ein Partnerprogramm oder gar ein Doppelabschluss mit einer Hochschule im Ausland würde dem
Master KMU sicherlich gut stehen.
Die Zeit in Frankreich war definitiv das Highlight meines Masterstudiums, sowohl aus
akademischen als auch aus sozialen und kulturellen Gründen.

Studieren am Meer – nicht nur in Stralsund.

* Eine etwas abgewandelte Version einer Aufzählung, als ich gefragt wurde, ob daraus ein
Studium in Südfrankreich ausschließlich bestünde. Scheinfrei bin ich erst seit Ende des
Semesters.

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